1. Von Netflix den Spiegel vorgehalten

    19.09.2014 /// /

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    Statt auch hierzulande in nationale Serienproduktionen zu investieren und seine lokale Basis in einem fragmentierten Markt zu festigen, erteilt Netflix zum Businessstart den Produzenten deutscher Fiction-Konzepte eine klare Absage. Es fehle an Serienstoffen, die auch international Interesse wecken. Eine harte Ohrfeige. Aber auch die Chance zur Selbstreflektion?

    Der Traum vom deutschen House of Cards

    Insbesondere deutsche TV-Autoren und -Produzenten hatten dem Deutschland-Start des amerikanischen VoD-Giganten Netflix wie einer Erlösung entgegengefiebert. Endlich würde ein finanzstarker Player auf den hiesigen Fernsehmarkt treten, der statt Provinzialität, Mittelmäßigkeit und kleinbürgerlicher Piefigkeit endlich nach spannenden, kontroversen und komplex erzählten Serien-Stoffen sucht. »Wir werden sicher auch in Deutschland produzieren«, so Netflix-Gründer Reed Hastings noch zwei Wochen zuvor gegenüber dem Spiegel. Doch der Traum von einem deutschen House of Cards ist vorerst geplatzt.

    Schon am Starttag hatten Netflix-Kommunikationsboss für Europa Joris Evers im Interview mit Quotenmeter und Chief Content Officer Ted Sarandos im Interview mit DWDL übereinstimmend gesagt, dass es derzeit keine Pläne des Streamingdiensts gäbe, in deutsche Serien und damit in deutsche Serienmacher zu investieren. Zunächst wolle man, wie bei Netflix üblich, die Vorlieben der deutschen Nutzer auswerten, um daraufhin genauer zugeschnitten nationalen Content zu produzieren. So war die eigenproduzierte Politdrama-Serie House of Cards anhand des Nutzerverhaltens von Netflix US geradezu maßgeschneidert worden, nachdem die internen Auswertungen ergeben hatten, dass die Nutzer Schauspieler Kevin Spacey und Regisseur David Fincher besonders mögen würden.

    Doch am Folgetag wurde Netflix-Firmengründer und CEO Reed Hastings im Interview mit Blickpunkt:Film deutlicher: »Wir haben in Deutschland Ausschau gehalten nach geeigneten Stoffen – aber nichts gefunden.« Einer der Hauptgründe gegen eine lokal produzierte Serie sei laut Hastings des Fehlen von Themen »von weltweitem Interesse« in den bei ihnen eingereichten Serienkonzepten. Unvermittelt wurde so der deutschen TV-Fiction der Spiegel vorgehalten. Plötzlich darf sich hiesige Stoffauswahl und Erzählkunst nicht mehr nur mit sich selbst vergleichen. Netflix spricht augenscheinlich direkt aus, was sowohl Zuschauer als auch Branchenkenner seit Jahren empfinden: Fiktionales deutsches Fernsehen erscheint im internationalen Vergleich rückständig und bedeutungslos.

    Der Kampf gegen den deutschen Fernseh-Behemoth

    Dabei ist davon auszugehen, dass viele, vor allem große deutsche Produktionsfirmen mit ihren Autoren endlich jene Ideen und Stoffe aus den Schubladen holten, die für das öffentlich-rechtliche und private Fernsehen in Deutschland zu aufwändig, zu komplex oder zu progressiv wären. Obwohl sie für die Präsentation ihrer Konzepte – in Ermangelung eines Netflix-Ansprechpartners in Deutschland – wohl direkt in der Firmenzentrale Los Gatos in Kalifornien vorsprechen mussten, sollten das die besten und zugkräftigsten Ideen gewesen sein, die hierzulande aufgeboten werden können. Ein Beteiligter erzählt beispielhaft von einem gut strukturierten, grafisch reichhaltig illustrierten und mit belastbaren Businesszahlen aufbereiteten Pitch, der Story und Potential der Serie griffig darstellte.

    »Man begibt sich nicht auf diese Via Dolorosa, weil man Soaps und Scripted Reality schreiben will«, sagt beispielsweise Drehbuchautor Stephan Greitemeier (Switch Reloaded, Chefautor beim Game Evil & Genius). In der Tat: Niemand wird sich mit einer weiteren Abwandlung von Ärzte-Soaps, unaufgeregtem Dorfidyll oder neuen ›Schmunzelkrimi‹-Derivaten bei Netflix vorgestellt haben. Wen man auch fragt: Die deutsche TV-Branche kennt und liebt die revolutionären amerikanischen Serien von Breaking Bad über Game of Thrones bis zu The Walking Dead (und ungefähr hundert andere, über die jeder angeregt redet). Auf Netflix als Big Player wurde nicht zuletzt auch deshalb so gehofft, »weil eine Revolution des deutschen, in sich selbst verwachsenen und erstarrten Fernseh-Behemoths von innen unmöglich erscheint«, so Greitemeier.

    Für eine Qualität, die man von amerikanischen und anderen internationalen Serien gewohnt ist, hat es aber allem Anschein nach erst einmal nicht gereicht. Und zwar teamübergreifend nicht, wenn Netflix zu diesem allgemeinen Urteil über deutsche Erzählqualität gelangt. Nun wissen wir nicht, welche Ideen und Storys die deutschen Bittsteller im Einzelnen für so gut und einzigartig befanden, dass sie internationalen Ansprüchen genügen und damit konkurrenzfähig auf dem internationalen Markt sind. Wir wissen nur, dass Netflix bislang bei seinen hoch gelobten und vielfach prämierten Eigenproduktionen wie der Crime-Comedy Lilyhammer, dem spannenden Politdrama House of Cards oder dem Gefängnis-Comedydrama Orange Is the New Black hohes Qualitätsbewusstsein zeigte und alles richtig gemacht hat.

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    Welche Strategie fährt Netflix in Deutschland?

    Es ist gar nicht so klar, ob Netflix überhaupt dafür brennt, lokale Eigenproduktionen in Deutschland anzukurbeln. Huan Vu, Regisseur der kommenden Lovecraft-Verfilmung Die Traumlande und eines der Gründungsmitglieder des Neuen Deutschen Genrefilms, hat das Gefühl, dass das Unternehmen hier nicht viel mehr als einen »halbgaren Testballon« gestartet hatte, »um Goodwill zu demonstrieren«.

    Dafür spricht zum Beispiel der stete Verweis der Netflix-Sprecher, dass man mit der Sci-Fi-Mysteryserie Sense8 ja bereits eine internationale Produktion in der Entwicklung habe, die explizit auf die Expansionsbestrebungen des Unternehmens zurechtgeschnitten ist: Verantwortlich sind die Wachowski-Geschwister (The Matrix, Cloud Atlas), die eine Story in acht verschiedenen Ländern – darunter auch Deutschland – erzählen. Die deutsche Hauptfigur wird von Max Riemelt (Wir sind die Nacht, Urban Explorer) gespielt, es soll auch in Berlin gedreht werden. Tom Tykwer wird Regie in einer der Episoden übernehmen (wenn auch nicht die in Deutschland, sondern die in Nairobi).

    Huan Vu sieht die Entwicklung in Deutschland nüchterner: »Netflix wird in seinen Marktanalysen feststellen, dass die Deutschen sehr gerne amerikanisches Zeug schauen und sowohl englischen Originalton als auch deutsche Synchronisation akzeptieren. Und aus Deutschland kam im Gegensatz zu Großbritannien, Frankreich oder Skandinavien über lange Zeit nichts Dickes mehr. Das Einzige, was deutsche Sender erfolgreich machen – deutsch verwurzelte Krimis und deutsch verwurzelte Komödien – ist für Netflix nicht so interessant, da sie das nicht in anderen Territorien auswerten können. Das wäre also so, als wenn Mercedes oder Volkswagen vor dem Markteintritt in Nordkorea ein Joint Venture mit dem dortigen Staatsbetrieb für Zugmaschinen eingehen würden. Während es in Frankreich massiv Stunk durch Politik, Establishment etc. gibt und deshalb mit dem Politdrama Marseille sofort eine französische Serie produziert, begrüßt man Netflix hierzulande ja eher wie den rettenden GI anno 1945, der hoffentlich die deutsche Fernsehdiktatur umkrempelt.«

    Dabei spielt es dann auch weniger eine Rolle, dass gerade der deutsche Fernseh- und VoD-Markt als sehr fragmentiert und von mehreren starken Playern besetzt gilt: Maxdome, Watchever, Amazon Prime im Streaming-Segment, dazu das starke Angebot der privaten Sender und der Öffentlich-Rechtlichen mit jährlichen Rundfunkgebühren von über 8 Milliarden Euro. Netflix könnte gerade in Deutschland auf mehr Bindung durch lokale Eigenproduktionen setzen, um sich einen wichtigen Marktvorteil zu sichern. Doch der Streamingdienst will vorerst nicht.

    Dass es Netflix-Chef Reed Hastings jedoch nicht einfach bei den – eigentlich völlig ausreichenden – Begründung belässt, die Vorlieben deutscher Nutzer erstmal zu analysieren, mit Sense8 eine internationale Produktion mit deutschen Anteilen zu produzieren und sowieso erstmal ein bis zwei Jahre abwarten zu wollen, wirft vor dem Hintergrund der obigen Überlegungen durchaus Fragen auf. Sollen etwa durch die öffentliche Ablehnung deutscher Erzählkunst hierzulande Ambitionen geweckt werden? Oder ist es gar, wie mancher heimlich hofft, vor allem ein Nein zur Denkweise der alten Garde von TV-Filmemachern, die das bisherige System auf Laufen gehalten haben? Autor Stephan Greitemeier sieht in der deutlichen Ansage Netflix’ vor allem ein Signal an »die zweite Generation, die messerwetzend in den Startlöchern steht« – also all jene Autoren, Produzenten und Schauspieler, die mit dem bisherigen System nichts (mehr) anfangen können. Der Glaube an Netflix als game changer bleibt also.

    Auf Mittelmaß konditionierte Autoren

    Deutsche Autoren und Filmemacher diskutieren nicht erst nach der aktuellen Netflix-Klatsche, ob in Deutschland überhaupt genug Handwerk und Übung vorhanden ist, auf internationalem Serienniveau mitzuspielen. »Ich fürchte, dass viele deutsche Produzenten und Autoren, die durch die Mühlen der deutschen TV-Produktion gegangen sind, gar nicht mehr in der Lage sind zu verstehen, was für Netflix internationales Appeal aus macht«, meint Axel Ricke, Regisseur des Sci-Fi-Kurzfilms D-I-M, Deus In Machina (2007) und Produzent bei Lumatik Film. Auch Autor Stephan Greitemeier glaubt: »Die degetoisierten Produzenten sind das Nadelöhr. Sie arbeiten mit degetoisierten Lohnschreibern zusammen, denen zwanzig Jahre Fernsehmarkt jede Innovationskraft ausgepresst haben. Es ist schon bestürzend: Da haben wir nette, clevere Leute, oft mit gutem Geschmack – aber das System hat viele festgefahren und mutlos gemacht.«

    Es geht in diesen Überlegungen um den grundsätzlichen Verdacht, dass das deutsche TV-System über Jahrzehnte Autoren und Produzenten maßgeblich konditioniert hat und hier auch bei besten Absichten schlichtweg nicht die erzählerische Qualität erreicht werden kann, die es international heutzutage braucht. »Da wir national schon seit Jahrzehnten keine Nachfrage in dieser Richtung haben, gibt es hier auch kaum Erfahrung im Umgang mit Geschichten dieser Art«, lässt sich ein deutscher Drehbuchautor in der aktuellen Debatte zitieren. »Ideen gibt es bestimmt viele, nur mangelt es entweder an der Umsetzung, oder man hat kein Vertrauen in die deutschen Autoren und glaubt nicht, dass sie so etwas stemmen können.«

    Vielleicht, so die Befürchtung, erscheint es Netflix schlichtweg zu aufwändig, bei uns erst noch in den Qualitätsaufbau investieren zu müssen. Denn der heimische Markt für Konzepte und Drehbücher verlangt vor allem nach unterkomplexer Unterhaltung. Selbst abseits von den täglichen Soap-Welten schreiben Serien-Autoren in Deutschland vor allem schematische Krimi-Episoden in Kreuzworträtsel-Dramaturgie, seichte Nonnen- und Krankenhaus-Banalitäten oder verschämt-lustige Alltagskomödien, die niemandem wehtun. Immer wieder fällt der Begriff der »Schere im Kopf«, die durch die Konditionierung ob solcher Anforderungen inzwischen so stark sei, dass man sie immer wieder aktiv in seinem Kopf entfernen muss, um auf internationalem Niveau zu denken. Wenn es überhaupt gelingt: »Ich erwische mich selbst immer wieder dabei, wie im Kopf die Schere zuschnappt. Es kostet tatsächlich Kraft, sich von dieser Denke zu lösen. Sehr erschreckend.«, so Regisseur und Produzent Axel Ricke.

    Wie beispielsweise Game of Thrones aussehen würde, wenn es durch die Mangel deutscher Fernsehqualität genommen würde, zeigt dieser Tage anschaulich – und trotz aller Parodie erschrecken authentisch – der folgende Clip von Walulis sieht fern. Ähnliche Assoziationen rief bereits die Ankündigung des ZDFs hervor, ein deutsches Breaking Bad zu produzieren – mit Bastian Pastewka als Geldfälscher im Taunus.

    Auf der Suche nach internationaler Qualität

    Aber stimmt die Einschätzung, deutsche TV-Fiction hätte kein internationales Appeal? Der letzte Bulle (2010-2014), laut Bekundung der Branche eine der besten deutschen TV-Serien derzeit, wurde vom französischen Sender TF1 erfolgreich in bislang zwei Staffeln adaptiert. In den USA wurden vom Letzten Bullen und von Danni Lowinski (beide SAT.1) jeweils Piloten bei TNT respektive The CW getestet. Von Danni Lowinski (2010-2014) gibt es Remakes in Belgien, der Ukraine und den Niederlanden. Der Tatortreiniger (seit 2011) vom NDR wurde bislang in die USA und nach Frankreich verkauft. Und dann sind da doch immer noch der in über 100 Länder verkaufte Derrick (1974-1997) und die Action-Serie Alarm für Cobra 11 (seit 1996), die wohl international erfolgreichste Serie aus deutscher Produktion mit Verkäufen in 150 Länder.

    Hier sind Relationen wichtig. Der internationale TV-Markt ist wegen des kontinuierlich steigenden Bedarfs an erfolgreicher Fiktion in größter Aufruhr. Jeder ist auf der Suche nach dem nächsten Hit. Und so werden sich möglichst viele Rechte an Stoffen aus aller Herren Länder gesichert, ohne dass diese Stoffe – erzählerisch – in der gleichen qualitativen Liga spielen wie 24, Lost oder Orphan Black. Hier müssen wir ehrlich sein: In Deutschland tun sie es nicht. Wenn hierzulande eine Serie – unabhängig von ihren Quoten – als sehr gut und außergewöhnlich gehandelt wird, dann passiert das im Vergleich zum restlichen Angebot im deutschen Fernsehen. Wenn Netflix aber wie in Großbritannien über 125 Millionen Euro für die Serie The Crown über die 60-jährige Regentschaft der Queen auf den Tisch legt, dann mit der klaren Absicht, einen unter Kritikern und beim Publikum weltweiten Tophit in ihr Portfolio aufzunehmen.

    Die Sorge übrigens, dass deutsche Produktionen mit einer Orientierung am internationalen Massengeschmack auf diesen hin normiert werden würden und gerade dadurch lokalen Flair, Atmosphäre und Authentizität verlieren würden, scheint dagegen eher unberechtigt. Ganz im Gegenteil: Lilyhammer-Schöpfer Steve Van Zandt erzählte im Rolling Stone über die Entstehungsgeschichte seiner Serie: »I said to people, ›The way to make this more international is to make it more Norwegian – as Norwegian as we can make it. I want to know every nuance, detail and eccentricity that people might find interesting or different.‹ I also said, ›I want to make Norway a character in this show, because it’s a complete mystery to most people.‹ No one knows a thing about it, so I wanted to reveal it in the best way I could.«

    Auch Reed Hastings sagt in seinem Statement in Blickpunkt:Film nicht, dass sich internationale Serien nicht ›deutsch‹ anfühlen dürfen. Serien wie Lilyhammer, The Crown oder Marseille versprühen gleichermaßen lokale Identität und internationales Appeal. Sie wurden von Netflix in Auftrag gegeben, um die jeweiligen Märkte in Europa – hier also Skandinavien, Großbritannien und Frankreich – zu bedienen und weltweit interessant zu sein. Die Frage, die sich Autoren und Produzenten hierzulande also stellen müssen: Was fühlt sich ›deutsch‹ an und hat ›internationales Appeal‹? Was bietet lokale Qualitäten, ohne dass es sich anfühlt wie das Meiste, was hier provinziell, erstarrt und in jeder Hinsicht unenthusiastisch für das deutsche TV produziert wird?

    Kann Deutschland nur mit seiner Vergangenheit punkten?

    »Die Befürchtung ist, dass weltweit interessante Ideen aus Deutschland alle nur wieder in der Vergangenheit liegen – also wieder Nazi-Stoffe, wieder DDR-Stoffe. All das, wovon wir eigentlich selbst die Schnauze voll haben«, stöhnt ein weiterer Autor. Die Sorge hat eine starke Grundlage: Seit Langem scheinen beispielsweise deutsche Filme nur noch dann Oscar-Chancen zu haben, wenn sie mit einer der beiden deutschen Diktaturen zu tun haben: siehe Caroline Links Nirgendwo in Afrika (2001, Oscar), Oliver Hirschbiegels Der Untergang (2004, Oscar-Nominierung) oder Florian Henckel von Donnersmarck Das Leben der anderen (2007, Oscar).

    Deutschland schickt auch selbst gern Filme mit ähnlicher Thematik immer wieder ins Rennen, wie 2013 gleich im Doppelpack mit Georg Maas’ Nazi-Stasi-Drama Zwei Leben (2012) und Cate Shortlands Endkriegsdrama Lore (2012), auch wenn das für Australien startete. Auch andere hierzulande und teilweise auch international gelobte TV-Produktionen wie Weißensee (seit 2010) und Unsere Mütter, unsere Väter (2013) spielen in genau diesen Welten. Der Verdacht liegt also nahe, dass wir um unsere Vergangenheit kaum herumkommen, wenn wir »weltweit interessante Themen« bedienen wollen.

    Doch der Glaube, im Ausland kommen aufgrund dieser Erfolge ausschließlich Drittes Reich und DDR-Überwachung an, ist vielleicht die größte Schere im Kopf hiesiger Filmschaffender. Keine Frage: Deutschen Produktionen wird eine größere Glaubwürdigkeit in der Auseinandersetzung dieser Topics entgegengebracht. Deutsche Filme insbesondere über den Nationalsozialismus sind sicherlich international auch ein gewichtiges, erfolgsversprechendes Brand. Die starke weltweite Rezeption solcher Storys aus Deutschland hat aber noch einen anderen, vielleicht viel entscheidenderen Grund:

    Aus dramaturgischer Sicht liefern beide Topics von sich aus bereits sehr starke, inhärent eingebaute erzählerische Konflikte. Sie bieten damit also ganz automatisch schon dramatisches Potential. Einmal ungnädig formuliert: Man kann hier als Autor erstmal kaum etwas falsch machen. Vergleicht man die Spannung dieser Filme und Serien mit der Spannung beim Rest des deutschen Fernsehens, dann liegt schnell der Schluss nahe: Mit Naziterror und Stasiüberwachung wird es packend. Ohne eher nicht. Das würde bedeuten: Die Kunst dramatischen Erzählens wird hierzulande tatsächlich nicht wirklich beherrscht und über thematische Krücken wie DDR- und Nazi-Diktatur eher nur kaschiert. Deren Erfolg macht blind für den eigentlichen Zustand hiesiger Erzählqualität.

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    Die internationale Konkurrenzfähigkeit deutscher Stoffe wird sich vor allem dann offenbaren, wenn auch mit anderen Ideen und Konzepten packende Geschichten erzählt werden können. Der Auftrag wäre, etwas zu schaffen, das hier und heute spielt (oder in anderen Welten abseits der etablierten) und den Nerv der Welt und Zeit trifft. Auch Autor und Regisseur Peter Koller, der aktuell mit Spier Films an der Sci-Fi-Politserie Rio Ten arbeitet, versteht die Angst vor der Beschränkung auf rückwärtsgewandte Themen nicht: »Wir leben in einer Topzeit, was Stoffe angeht. Man muss ja nur die Zeitung aufmachen, da gibt es genug international relevante Stoffe: Hamburger 9/11-Zelle, Überwachungsskandale, oder sogar die Verknüpfung mit der Vergangenheit einer Nation, die keinen Krieg mehr will, aber in internationale Konflikte und Waffendeals reingezogen wird, Truppen in Afghanistan, jede Menge Spionage. Da ist von Homeland bis House of Cards so ein breiter Bereich möglich – ich kann mir gar nicht vorstellen, dass so etwas nicht an Netflix herangetragen wurde.«

    Diese breitgefächerten und hochspannenden aktuellen Themen wecken auch bei anderen Autoren Hoffnung: »Gerade in politischen Stoffen liegt eine große Chance, denn aktuelle Politik wird im deutschen Film nicht thematisiert, weil die Branche am Tropf der Politik hängt«, heißt es in Zustimmung auf Kollers Kopfschütteln. Die Hoffnung liegt hier weniger in der Internationalität, sondern mehr darin, dass Netflix dort reingrätscht, wo großer Mangel im deutschen Fernsehen herrscht. Der Fokus auf packende und beim Zuschauer hochgradig beliebte Geschichte solle dem deutschen medialen Status Quo »den Krieg erklären« – und damit den Zuschauer hierzulande emanzipieren von Krimi-Dauerschleife und heiler Jägerzaunhüter-Welt.

    Im Kern geht es also letztendlich einfach immer um sehr gut erzählte Geschichten mit einer einzigartigen Prämisse. Nichts anderes bedeutet nämlich »internationales Appeal«. Die Beispiele dafür, dass internationale Marktfähigkeit und zeitgemäße Themen kein Zauberding sind, sind vielfach: das norwegisch-amerikanische Lilyhammer, die schwedische Roboterdrama-Serie Äkta människor (Real Humans – Echte Menschen), die dänischen Krimiserien Forbrydelsen (The Killing, hier bekannt als Kommissarin Lund – Das Verbrechen) und The Bridge (hier bekannt als Die Brücke – Transit in den Tod), die beide in den USA neu gedreht wurden, die französische Wiederkehrer-Drama-Serie Les Revenants (US-Remake in Arbeit), die israelische Thrillerdrama-Serie Hatufim (Prisoners of War – Vorlage für das US-Remake Homeland) oder die israelische Dramaserie BeTipul (die Vorlage für In Treatment). Sie alle zeigen, dass deutsche Serien-Produktionen längst von kleinen Fernsehnationen überholt wurden. Ach, und House of Cards ist natürlich ein Remake der gleichnamigen britischen Polithriller-Miniserie von 1990.

    Der wichtigste Moment deutscher TV-Geschichte?

    Für die hiesigen Sender ist Netflix’ Zurückhaltung ein Grund zum vorläufigen Aufatmen. Noch müssen sie sich nicht dem modernen Vergleich im eigenem Territorium stellen. Und noch fehlt dem Publikum der Beweis, dass auch mit deutschen Autoren, deutschen Produzenten und deutschen Schauspielern packendes, serielles TV-Erzählkino auf dauerhaft hohem Niveau und losgelöst von sicheren Übungsschauplätzen wie Krimi (Tatort), DDR (Weißensee) oder Drittem Reich (Unsere Mütter, unsere Väter) möglich ist.

    Dass Netflix jetzt zögert, kann aber gleichzeitig die Chance sein, die Zeit zu nutzen und sich auf ein internationales Niveau zu hieven, bevor uns erst die Amerikaner zeigen müssen, wie es geht. Die vernichtende Reaktion des Streamingdiensts auf deutsche Serien-Qualität ist der vielleicht notwendige Spiegel, der deutschen TV-Machern vor Augen führt, wo sie im internationalen Vergleich aktuell stehen. Und soweit zu hören ist: Netflix empfängt auch weiter deutsche Produzenten. Manche der eingereichten Stoffe sind – entgegen der öffentlichen Interpretation – auch noch nicht abgesagt worden. Und es geht Netflix langfristig gesehen womöglich nicht nur ums deutsche Fernsehen, sondern vielleicht auch um Koproduktionen mit dem hiesigen Kino.

    So schnell wird der Streaming-Gigant sein Image als Heilsbringer also nicht los. Doch es besteht die Gefahr, dass sich deutsche Produzenten und Autoren von einem Tropf nur an den nächsten hängen lassen. Dabei könnte jetzt, wo Netflix noch zögert, der vielleicht wichtigste Moment in der neueren deutschen TV-Geschichte sein. Die Zeichen der Zeit lassen eigentlich nur einen Schluss zu: Nationale Produktionen müssten sich in Qualität, Anspruch, Modernität und Zuschauerbegeisterung gegenseitig überbieten wollen. Noch ist Zeit, neue Eigenständigkeit und neues Selbstvertrauen in das eigene Können aufzubauen. Dann muss man künftig auch nicht mehr als Bittsteller an Investoren und Sender herantreten, sondern könnte derjenige sein, von dem Investoren und Sender unbedingt etwas haben wollen und sich gegenseitig in ihren Angeboten überbieten.

    In einer Zeit permanenten Zuschauerschwunds, in der Sender und Content-Anbieter nach starken Marken und Inhalten mit großer Zuschauerbindung suchen, würde das Pushen der erzählerischen Qualität deutscher Fiktion auf neue Level nicht nur ein neu belebtes deutsches Fernsehen generieren. Es wäre auch die Chance, in der dann qualitativ hoffentlich großen Masse genau in größerer Kontinuität jene nochmals herausstechenden Einzelfälle zu finden, die internationales Niveau erreichen und um die uns die Welt beneiden kann.

    Denn die größte Frage ist am Ende: Was hat Deutschland der Welt Spannendes zu erzählen?



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  • Peter Braum

    Es ist doch auch der gemeine deutsche Fernsehschauer und die Struktur unserer TV Landschaft. Die Svod und Pay Tv Anbieter hierzulande merken ja die Begeisterung der Deutschen an qualitativen Serien an, im Free TV scheinen diese Serien aber eben nicht zu funktionieren. Wohl auch, weil die Zielgruppe im TV immer kleiner wird, sich eine Subkultur entwickelt hat, die sich ihre Inhalte im Netz oder über Import besorgen. Serien wie Game of Thrones und Walking Dead haben hierzulande viele Fans, im Free TV werden sie aber beim Drittsender des deutschen (Noch-)Marktführes in Marathonprogramierung verramscht. Lost und 24 floppten in der pro7sat1 ag, die aber wenigstens scheinbar lernten, zumindest wird dort nun under the dome wenigstens in der Primetime gesendet. Perlen wie Orphan Black (Nachts auf Zdf Neo) und Breaking Bad (arte) oder auch Sopranos (Nachts im ZDF) werden hierzulande am vorm Publikum versteckt, weil wohl der gemeine Deutsche keine Serien mit roten Faden mag. Die Quotenrenner in Deutschland sind ausser Polittalks ausschliesslich stupider Art. Shows aller Art und Fussball. Klar mag man sowas, ich ebenso, aber ich befürchte, man hat sich damit abgefunden. Bei guten Serien denkt man wohl, dass die, die es wollen, alles schon auf anderem Weg konsumierten und somit keine Zielgruppe vorhanden sei und auch keine generiert werden kann. Deshalb werden Serien vorallem bei RTL scheinbar als üble Mitgift beim Erwerb von Filmpaketen angesehen. Damit entsteht wohl der Glaube, eigene, anspruchsvoller erzählte Serien würden keine Zielgruppe finden. Ich hoffe, dass mit Netflix der qSvod Markt hier weiter wächst und sich TV Sender mehr trauen, gute Serien anständig zu programmieren und zu bewerben. Die Casting und scripted reality flops der letzten wochen lassen hoffen, dass es jetzt zu einem Umdenken kommt. Man muss nur eben mal die typisch deutschen Sehverhaltensweise mal analysieren. Warum floppen allgemein immer mehr Formate, die sich über einen längeren Zeitraum strecken bzw verlieren Woche für Woche an Quote und tägliche Formate, die auf kurzen Zeitraum begrenzt sind, wie Dschungelcamp und zuletzt Promi Big Brother eine konstante Quote fahren. Vielleicht werden hier Serien eben besser aufgenommen, wenn man sie in eben so einem Schema senden und bewerben würde. Und ich bin mir sehr sicher, ei Game of Thrones wäre auf RTL selbst, mit guter Bewerbung, anständiger Programmierung usw erfolgreich. Gerade RTL hat viele gute Serien im Portfolio, statt diese anständig zu verwenden wird so immens in Flops wie Rising Star investiert.

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    • kugayama

      Ich glaube ernsthaft, dass man das Deutsche TV-Publikum eher überschätzt. Diese Argumentationskette „wenn das in der Prime Time liefe, dann würden die das auch alle schauen“ halte ich für romantisch aber unzutreffend.

      Wir (also Leser von Blogs wie diesem/Besitzer von US-Netflix Accounts/OV-Schauer etc. sind eine ziemlich kleine Truppe – das täuscht, weil jeder von uns solche Menschen im Freundeskreis hat. Aber unterm Strich lebt die Masse der Deutschen in Kleinstädten oder auf dem Land, liest Tommy Jaud, gibt Europaweit am wenigsten für Lebensmittel aus und schaut halt gerne Navy CIS.

      Versteh mich bitte nicht falsch – ich wünschte, es wäre so wie von Dir beschrieben, und eine Zeit hatte ich auch eine ähnliche Sicht. Aber ich glaube da einfach nicht mehr dran. Die Typen bei RTL und Co wissen doch auch, dass die 0,05% der Deutschen, die sich für House Of Cards interessieren das eh irgendwo anders schauen und nicht warten, bis das synchronisiert im FreeTV läuft.

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      • Kranzi

        Ich glaube, so schlimm ist es dann doch wieder nicht. Fest steht doch, dass die VOD-Angebote immer stärker genutzt werden. Außerdem ist es doch alles eine Frage des Marketings und der Zielgruppe des Senders. Stell dir Game of Thrones auf Pro7 zur Primetime am Sonntagabend vor, oder auf ARD statt des obligatorischen Tatorts. Ist schließlich die „Most pirated TV-Show ever“ – würde gerne wissen, wie viele in Deutschland regelmäßig Sonntag Nacht oder Montag früh streamen, sobald HBO die Folgen on air schickt. Die Zahl der Zuschauer wäre mit Sicherheit vorhanden. Das Warten auf die deutsche Synchro ist schon eher ein Problem. Aber gerade für die von dir beschriebene NCIS-Personengruppe spielt das ja nicht so eine wichtige Rolle, da sie tendenziell nicht OV gucken würden. Und House of Cards hat mit Kevin Spacey einen Schauspieler, der auch bis in deutsche Wohnzimmer Qualität ausstrahlt. Das Problem ist, dass solche Serien untergehen, wenn sie in einem Slot zwischen Hawaii Five-O und Criminal Minds angeboten werden, oder so spät laufen, dass die meisten Leute sie nicht auf dem Schirm haben. Ich glaube auch, die meisten Leute wissen nicht einmal, dass Spartensender wie Pro7-MAXX überhaupt existieren, auf denen man ganz zielgerichtet gute Qualitätsprodukte zeigen könnte.

        Wie machen die das denn in Amerika? Gut, da hat man schon länger PayTV und eine größere Kanalvielfalt, aber es funktioniert doch dort auch. Es kann doch nur an den Sehgewohnheiten liegen, die sich über die Jahrzehnte in deutschen Wohnzimmern aufgebaut haben. Und die gilt es, zu brechen. Was wollen die Leute den machen, wenn DSDS, TV-Total und Berlin Tag und Nacht nicht mehr laufen? Einschalten werden sie trotzdem.

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    • spicollidriver

      Kann ich nur so unterschreiben. Ein großer Teil meines Freundes- und Bekanntenkreis ist verrückt nach den obligatorischen Serien von „Mad Men“ bis „Fargo“. Aber keiner käme auf die Idee, sich das Ganze im Fernsehen anzusehen.

      Jetzt kann man einwenden (siehe kugayama), daß „wir“ ohnehin nur ein sehr kleinen Prozentsatz aller potentiellen Zuschauer ausmachen (wenngleich 0,05% der Deutschen angesichts der Popularität einer Serie wie „The Walking Dead“ sicherlich zu tief gegriffen sein dürfte) allerdings stellen „wir“ (scheinbar?) leider gleichzeitig die Mehrheit derer, die sich für eine bestimmte Art von Serien (und wahrscheinlich noch wichtiger: für eine bestimmte Art, diese zu schauen) interessieren.

      Ich habe mich auch jahrelang über die deutsche Fernsehlandschaft beschwert, aber mittlerweile tue ich das kaum noch – sie ist mir in dieser Hinsicht schlichtweg egal (geworden).

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  • Sven Faltin

    Dann wäre doch der erste große Serienhit, made in Germany, die komplexe Geschichte des NSU mitsamt des Versagens des VS, dem latenten alltäglichem Rassismus in der Gesellschaft und der Korruption bis in höchste Kreise eigentlich nur absolut logisch nachvollziehbar. Dann noch bitte mit parallelem Erzählstrang über die Aufarbeitung und dem Prozess und schon könnte da eine richtig gute Serie entstehen. Und ich wette das wäre dann auch eine Serie die der deutschen Allgemeinheit auch ein bisschen wehtun würde… besser geht’s doch gar nicht!

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    • Rzieher

      Genau das habe ich auch gedacht… das ist so eine breite Geschichte die man dort erzählen könnte!

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      • spicollidriver

        … die wahrscheinlich aber genau aus den offensichtlichen Gründen (= durch öffentliche Fördergelder finanziert) an den naheliegenden Punkten kranken dürfte.

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  • Pingback: Keine TV-Serien von deutschen Produzenten | Tichys Einblick()

  • Großartige und zutreffende Analyse. Und: Es muss nicht immer Geschichte sein
    „Real Humans“ könnte zum Beispiel auch in Deutschland funktionieren. Es hätte nur jemand auf die Idee kommen müssen und dann ein Umfeld finden, welches diese Idee verwerten kann. Beides war nicht vorhanden.

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    • Robert Frunzke

      Jein, … es lief ja mal bei Arte, und ich hatte auch viel Geduld für die „nordeuropäische Langsamkeit der Erzählung“ (im Gegensatz zum überhöhten Tempo US-amerikanischer Produktionen…). Aber irgendwo gegen Ende der ersten Staffel war all das nur noch lahm, es wurde immer langsamer (lahmer) und schien sich … immer … mehr … … … auf … … … … … 0 … zuzubewegen. Uff

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      • Jein. „Real Humans“ wird in Hollywood demnächst „nachproduziert“. Ich glaube aber bei dieser Serie war es genau das Aufeinandertreffen der skurrilen und langsamen schwedischen Kleinstadt mit der neuartigen High-Tech Errungenschaft, die den Reiz ausmachte. Hollywood wird dann irgendeinen Terminator 28 draus machen. Deshalb ist es ja so ein schönes Beispiel. „In Deutschland geht es nicht“ stimmt nicht- ist nur Ideenlosigkeit. Das Eintreffen der „Real Humans“ in einer Kleinstadt im Sauerland hätte auch ein prima Drehbuch ergeben können. 🙂

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  • Valerian Takashi Seethaler

    Ich will einen guten deutschen Kinofilm, mit Storytelling auf internationalen Niveau machen. Hab schon ein Konzept und Treatment und arbeite an einem Kurzfilm als Referenz. Wartet’s nur ab.

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  • amfa

    Ich war immer der Meinung, dass deutsches Fernsehen ganz einfach auch ein Budget Problem hat.
    Das lässt sich doch auch rein theoretisch berechnen.

    Die USA haben ~317 Mio Einwohner.
    Deutschland hat ~81 Mio.
    (Ohne das jetzt auf die werberelevante Zielgruppe runter zu rechnen)

    Nehmen wir jetzt rein fiktiv an, jeder Zuschauer kann man ein Budget von 1€ nehmen. (irgendeinen Wert muss man dem Zuschauer ja zurechnen).
    Dazu noch das 1 Prozent der Menschen diese Serie sehen wollen.

    Dann hätte man für US-Serien ein Budget von 3,17 Mio € die deutsche nur von 810.000€

    Eine Serie zu produzieren, kostet aber unabhängig davon wer sie wo macht und wie viele zugucken den gleichen Betrag.

    Wenn ich also eine Serie mit gleichem Budget produzieren will, brauche ich fast 4 mal so viele Zuschauer.
    Ist das nicht auch ein großes Problem des deutschen TVs?
    Da wird lieber eine (teuer) produzierte US-Serie gekauft und nur „billig“ synchronsiert (Wobei ich sagen muss das die Synchro in den meisten Fällen gut ist und billig sich nur auf den Preis bezieht ;)).

    In Deutschland bleiben dann Serien die Alarm für Cobra 11 bei denen man ihre (im Vergleich) begrenztes Budget oft genug einfach ansieht.
    Man weiß gleich fliegt was in die Luft weil auf der (erkennbaren) Filmautobahn plötzlich nur noch Automodelle von 199X fahren.
    Selbst das „Hauptfahrzeug“ wird bei Stunts oftmals erkennbar gegen ein älteres Modell getauscht.

    Da selbst die günstige Version aber eine Menge Geld kostet muss man halt die Geschichten so drum rum bauen, dass sie möglichst vielen Menschen gefällt.
    Und vorallem, muss man eine Folge auch dann gucken können wenn man mal 2 verpasst hat.
    Sonst verliert man von den (im Vergleich zu den US-Serien) sowieso weniger Zuschauer noch welche.

    Ist das nicht einfach ein „naturgegebenes“ Problem?

    Mit Netflix könnte sich evtl ändern, weil dann evtl direkt ein internationales Publikum als Zielgruppe dient.
    Mehr Menschen = mehr Budget = bessere Serien?

    Vielleicht ist die Gleichung ja wirklich so einfach.

    PS:
    Das Gleiche gilt vergleichbar natürlich auch für Filme.

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    • Mark

      Theoretisch hast du recht, aber es ist anders. Ja, englischsprachige Serien haben es leichter in der Auswertung – nicht nur in den USA resp. GB selbst, sondern eben weltweit. Für deutsche Produktionen – TV und Kino – ist dieser Nachteil aber erstmal zweitrangig, weil Produktionsfirmen hierzulande in der Regel nicht eigenes Kapital investieren, das sich dann amortisieren muss (dafür wären in der Tat viele Zuschauer sehr gut), sondern überhaupt nur drehen können, wenn sie vorher das Geld bekommen. Vom Sender. Oder von der Förderung.

      Durch das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen ist genug Geld vorhanden: Jährlich 8,3 Milliarden Euro an Gebühreneinnahmen oder mehr, dazu weitere Einnahmen z.B. durch Werbung. Alles, was bei ARD und ZDF gedreht wird, ist vor dem Dreh finanziert und wird in der Regel auch gar nicht groß danach ausgewertet. Geld genug wäre da – die Priorität liegt in anderen Ausgaben. Jedenfalls wird bei Filmen und Serien seit Jahren immer mehr gespart (selbst beim großen Quotenbringer „Tatort“ wurden die Drehtage über die Jahre immer weniger, obwohl die Quoten seit Jahren immer stärker werden).

      Zu vergleichen ist das übrigens mit HBO, Showtime, AMC, Netflix usw. in den USA: Sie sind nicht direkt auf Quoten, sondern auf öffentliches Prestige und eine große permanente Abokundenzahl angewiesen. Deshalb wagen sie inhaltlich und konzeptuell ungewöhnlichere Stoffe wie „Mad Men“, „Breaking Bad“ usw., die die große Masse in den USA auch nicht sieht, aber es steigert Ansehen und Abonnentenzahl des jeweiligen Anbieters. In Deutschland haben die ÖR sozusagen schon die maximale „Abonnentenzahl“ erreicht – alle gebührenzahlenden Haushalte. Dadurch gibt es sehr viel Geld in den Kassen, aber eben eine andere Gewichtung, wofür man es ausgibt.

      Bei den Privaten ist es anders: Die haben mehr Risiko und haben durch die deutsche Sprache vermutlich wirklich einen Nachteil in der internationalen Auswertung, weil – vielleicht – die Schere zwischen dem, was das nationale Publikum will (was Quoten bringt und damit wichtige Werbeeinnahmen) und das internationale (was Erlöse aus Lizenzen und Verkäufen bringt) sehr groß ist und man sich im Fall der Fälle natürlich erstmal für das eigene Publikum entscheidet und sich dann freut, wenn das auch international angenommen wird (z.B. eben „Cobra 11“ durch den starken Fokus auf professionelle Action und Stunts).

      Fazit: Wenn man aber wollte und darin einen Mehrwert sähe, wäre hierzulande das Geld erstmal das geringste Problem. Es ist – durch Gebühreneinnahmen, Förderung und auch sprudelnde Werbeeinnahmen – für fiktionales TV im Überfluss vorhanden.

      0
      • road

        AMC mit „Breaking Bad“ und „Mad Men“ ist nun ein unpassendes Beispiel. Das läuft im werbeunterstützten Kabelfernsehen und nicht im richtigen Pay-TV. 😉 Ansonsten stimme ich zu.

        0
        • spicollidriver

          richtig. selbst wenn man HBO/Showtime sowieso Netflix/Amazon außen vor ließe, ließen sich bei den anderen Sendern noch genug andere shows finden, die viele Serienbegeisterten hierzulande zu ihren Favoriten zählen.

          Egal ob es sich dabei – je nach persönlichem Geschmack – „Mad Men“, „Sons of Anarchy“, „Marvel Agents of S.H.I.E.L.D.“, „Parks and Recreation“, „Suits“ oder „The Following“ ….. handelt.

          0
    • Thomas

      Halte ich für haltlos. Schweden und Dänemark sind viel kleiner als Deutschland und die skandinavischen Sprachen sind nicht besser für die internationale Vermarktung geeignet als die deutsche Sprache und dennoch kann ich mehr gute Produktionen von dort nennen als aus Deutschland. Zum Beispiel Bron|Broen, Borgen, Real Humans, Forbrydelsen. Dazu noch die aufwendige Verfilmung der Millenium-Trilogie von Stieg Larsson.

      Was Deutschland fehlt ist kreativer Umgang mit den Geschichten. Ich würde auch nicht so sehr über das Krimi-Genre herfallen, auch hier sind gute Geschichten möglich.

      0
      • spicollidriver

        ich erinnere mich dunkel an ein dwdl interview (wenn ich mich richtig entsinne mit einem deutschen Drehbuchautoren, kann mich aber irren) in dem erwähnte wurde, daß dies u.a. an der geringeren Bereitschaft zu internationalen Co-Produktionen (und natürlich dadurch auch zu kurzfristig möglichen Einbußen bei der Rechteverwertung) läge.

        0
        • Thomas

          Dabei koproduzieren deutsche ÖRs international sehr viel. Viele der von den skandinavischen Serien die ich erwähnt habe, bekamen vom ZDF Geld. Der Kika hat sich an der Serie „Annedroid“ beteiligt, die in den USA bei Amazon lief, hier halt auf Kika (wann auch immer).

          Was fehlt, sind lokale Inhalte, lokale Produktionen, gute Serien im Ausland zu fördern ist schön aber im Inland nur Massenware abzuliefern ist dann sehr nervig.

          0
  • JMK

    Deutschland doof, der Rest (v.a.) USA so clever. Hast Du Dir mal das Angebot drüben angesehen? Beim zappen durch ABC, NBC etc. wird einem schlecht. Netflixs und HBOs Konzepte bestehen im Grunde nur daraus durch Eigenproduktionen Abonnenten zu gewinnen. Dass man sich nicht mit mittelmäßigen zufrieden geben darf, sollte bewusst sein.
    Ein Vergleich müsste also deutsche Abo-Sender miteinbeziehen, die es außer Premiere/Sky (die immer mal wieder so in die schwarzen Zahlen rutschen) nicht gibt.
    Es fehlt sowohl bei den ÖR und den Privaten an Mut, das steht außer Frage. Nur gibt es einige originäre hervorragende deutsche Serien, die sogar beim Publikum ankamen, interessanterweise nach Änderung des Programmplatzes.

    0
    • Mark

      Neben Sky gibt es in Deutschland als „Abo-Sender“ noch ARD, ZDF und alle weiteren Sender der Öffentlich-Rechtlichen. 🙂

      Aus Interesse: Welche Serien hast du da im Kopf? Und welche davon würdest du qualitativ auf internationalem Level sehen und warum? (Frage wäre auch allgemein an alle gerichtet, die hier mitlesen – weil man kann ja mal sammeln)

      0
      • JMK

        /Doctor’s Diary, Danni Lowinski, KDD, Mord mit Aussicht, Berlin Berlin, Türkisch für Anfänger Sind alles hervorragend geschriebene Serien, die sich vor USProduktionen nicht verstecken brauchen. Den wenigsten scheint such bewusst, dass Game of Thrones oder True Detective keine Quotenerfolge in den USA waren, die dümpelten bei ca. 4 Millionen Zuschauern, im Gegensatz zu TBBT oder Two and a hald man und sonstigem Scheiß, den drei bis vier mal mehr Zuschauer sehen.

        0
        • FD

          Diese ewige Mär vom Nicht-Repräsentativen; als würden in den USA nur HBO & Co. Serienstoffe produzieren, die dramaturgisch, schauspielerisch und produktionstechnisch dem Gros der deutschen Produktionen um Lichtjahre voraus sind. Jedes 0815-Procedural auf CBS ist hundertmal hochwertiger als 90% aller Tatort-Folgen. Und was passiert, wenn das deutsche Fernsehen selbst banalste Holzschnitt-Formate zu kopieren versucht, sieht man ja an Serien wie „Alarm für Cobra 11“, die zwar nationale Quotenerfolge, aber gleichzeitig auch Augen-, Ohren-, und Hirnschmerzen verursachen.

          Dass der amerikanische Fernsehmarkt auch zu weiten Teilen Schund produziert, ändert nun einmal nichts daran, dass er auch relativ zur Größe ungleich viel mehr Großartiges hervorgebracht hat, was hierzulande nicht nur ob der im Artikel zu Recht angemahnten Produktionsbedingungen, sondern nicht minder aufgrund der mehrheitlichen Sehgewohnheiten undenkbar wäre.

          Der erste Schritt zur Besserung ist die Selbsterkenntnis. Und die muss in Deutschland nun einmal zunächst darin bestehen, dass es keinen nennenswerten Markt für Serien gibt, die auch nur entfernt auf dem qualitativen Niveau amerikanischer, britischer oder skandinavischer Produktionen verortbar wären. Wenn man das ohne Wenn und Aber akzeptiert hat, statt ständig auf die vernachlässigbar wenigen deutschen Ausnahmen sowie den im Kontext völlig irrelevanten amerikanischen Schund hinzuweisen, dann kann man sich vielleicht auch mal an eine Analyse der Gründe machen (die eben nicht nur auf der Seite der Produktion zu suchen sind) und schlussendlich vielleicht irgendwann mal eine Verbesserung herbeiführen.

          0
          • jmk

            Nach „100 mal hochwertiger als 90% aller Tatort-Folgen.“ hab ich aufgehört zu lesen. Gleich doppelt falsch und nicht vergleichbar.

            0
          • Felix

            Witzige Diskussionsgrundlage. Kein Wunder, dass nichts Geistreiches entsteht, wenn jemand schon abschaltet, sobald eine Aussage nicht dem eigenen Weltbild entspricht, und jegliche Auseinandersetzung ablehnt. Aber immerhin kann mit dieser Einstellung den Status quo erhalten (oder so tun).

            0
          • Molli

            jmk, du bist so eine Dumpfbacke, das passt ja auch keine Kuhhaut mehr. Aber wenigstens bweist du Sinn für Humor: „Doctor’s Diary, Danni Lowinski, KDD, Mord mit Aussicht, Berlin Berlin, Türkisch für Anfänger Sind alles hervorragend geschriebene Serien, die sich vor USProduktionen nicht verstecken brauchen.“

            0
        • Mark

          Bitte keine falschen Fakten verbreiten: Die Zuschauerzahlen für „Game of Thrones“ waren viel, viel höher und in der vierten Staffel für HBO schließlich Rekord (fast 19 Millionen):
          http://en.wikipedia.org/wiki/Game_of_Thrones#Viewer_numbers

          Dazu kommt, dass all diese Serien so viel Kohle machen durch ihre internationalen Verkäufe, dass die heimischen Einschaltquoten nur einen (kleinen) Teil des „Erfolgs“ ausmachen. Wie gesagt, es geht hier um Prestige. Nicht umsonst hatte Netflix bei „True Detective“ hoch mitgeboten – weil „Quoten“ für diese neuen Modelle nur sekundär sind. Es geht um internationale Vermarktbarkeit und Namensbindung (das war ja auch der Tenor von Netflix‘ Ablehung hierzulande, worum es zentral in der Debatte ja geht). Etwas, in denen die von dir aufgezählten deutschen Serien schlichtweg international eben völlig abgeschlagen sind.

          0
          • road

            Fast 19 Millionen nach mehreren Wiederholungen zusammengerechnet. TBBT schafft diese Woche 18 Mio ohne Wiederholungen. GoT ist für HBO ein riesiger Hit, aber HBO schielt insgesamt ja auf andere Faktoren. Wie erwähnt, Abo-Zahlen und Vermarktbarkeit international. 7-8 Mio Zuschauer hatte die Serie bei der Erstausstrahlung und somit tatsächlich weniger als die großen US-Hits, aber immer noch Zahlen, die jeder Sender in den USA gerne sieht.

            Die meisten der oft erwähnten Premiumserien sind aber in den USA tatsächlich Randerscheinungen auf kleinen Sendern, die nunmal etwas besonderes bieten müssen, um aufzufallen. Die Finanzierung geschieht dann ja auch nicht allein durch die Fernsehausstrahlung, sondern durch Wiederholungs-Deals, Streaming-Services und internationale Verkäufe.

            Achja, die Gesamtzuschauerzahl ist übrigens generell kein allzu guter Indikator. Die werbeunterstützten Sender interessiert nur die werberelevante Zielgruppe und setzen auch ihre Zuschauerreichste Serie ab, wenn die Zielgruppe nicht einschaltet. (NBC und „Harry’s Law“)

            0
        • ag

          Doctor´s Diary ist der traurige Versuch, Scrubs im deutschen Humor abzukupfern. Danni Lowinski, KDD, Mord mit Aussicht und Türkisch für Anfänger triefen nur so von deutscher Sozialdemokratieerziehungsunterhaltung, vorhersehbar und so interessant wie Stinkefüße – und im Übrigen auch die Hauptkrankheit der deutschen Film- und Fernsehlandschaft. Unter den von Ihnen genannten Serien hatte lediglich Berlin, Berlin etwas Charme, das allerdings steckte derart in „Szene“-Klischees, das es für den Normalzuschauer wenig Interessantes zu bieten hatte, für den „Szenekenner“ ein Zerrbild war.

          0
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  • Simon Vincent

    Das ist doch kein deutsches Phänomen. Welche „nicht englischsprachige“ Serie aus welchem „nicht englischsprachigen“ Land ist denn ein weltweiter Erfolg, bzw. hat irgendeine internationale Bedeutung? Danke für ein EINZIGES Beispiel. Wenn man mit Serien Erfolg haben will, muss man natürlich in englisch drehen. So einfach ist das. Dass es trotzdem momentan keine einzige. wirkliche interessante, wirklich gelungene, deutsche Serie gibt, ist natürlich auch eine Wahrheit.

    0
    • FD

      Da müsste man halt erst mal Erfolg definieren. Im Aritkel werden ja mehrere französische und skandinavische/nordische Serien genannt, die teilweise vom amerikanischen Fernsehen adaptiert wurden, teilweise aber sogar mit Untertiteln dort ausgestrahlt wurden (z.B. Les Revenants).

      0
      • jmk

        Die dort kein Schwein sich ansieht. Und wer Borgen als hochwertiges Fernsehen ansieht, dem ist eh nicht zu helfen.

        0
        • zykez

          Dann nenne mir mal ein gleichwertig deutsches Serienformat mit dem Schwerpunkt Politik.^^
          Borgen mag nicht perfekt sein, aber es mehr als hierzulande überhaupt möglich erscheint, zumal bestimmte Themen immer noch der Tabuierungscharakter unterliegt = der Staat gilt als unangreifbar und darf nicht negativ dargestellt werden!
          Die ÖR lehnen solche Konzepte wohl grundlegend ab oder sie werden so stark umgedeutet, das es dann fast schon ganz andere Stories sind.

          0
    • Mark

      Wie FD schreibt: mehrere Beispiele finden sich im Artikel.

      Die internationale Bedeutung dieser Serien liegt in mehreren Aspekten: sie werden von anderen Sendern aufgekauft und ausgestrahlt _trotz_ nicht-englischer Sprache (z.B. „Les Revenants“), sie erhalten international gute Kritiken (alle aufgezählten), es werden sich Remake-Rechte geholt und die Serien dann für den internationalen Markt nochmal gedreht („Homeland“, „In Treatment“, „The Killing“, „The Bridge“, „The Returned“ usw.) – und sie werden von anderen Serienschaffenden als gute Vorbilder und Leitbilder angesehen und erfahren Bewunderung für ihre Ideen, ihr innovatives Storytelling, ihre Prämisse, ihre Umsetzung usw. und inspirieren so neue Autoren und Produzenten in ihrer Arbeit an neuen Projekten.

      Dazu kommen die kulturellen Einflüssen, die diese Serien haben: Sie generieren weltweit Fans, die sich mit Figuren und Welten identifizieren, finden sich in Alltagsgesprächen wieder, es wird darüber geredet und ausgetauscht. Sie sind also kulturelle Verbindungsträger und beeinflussen international moderne (Pop)Kultur. Und das ist etwas, was deutsche Serien in Deutschland manchmal ein bisschen schaffen (meist aber nicht) und international so gut wie nie. Dieser Grad an „Erfolg“ wäre die Rückkopplung dann wieder zum Prestige, das die Sender und VoD-Anbieter suchen, weil so ihr Unternehmen, ihr Name, in die Popkultur und den Alltag einfließt.

      0
      • Simon Vincent

        Danke für die ausführliche Antwort. Als Remakes, ja. Aber ein international erfolgreiches Serienformat trotz nicht englischer Sprache existiert nicht wirklich – naja. „Les revenants“, hm.. Der kulturelle Mechanismus, von dem Du sprichst, trifft zu, ich denke trotzdem, dass auch die meisten nichtenglischsprachigen Länder dieses Problem haben. Und wenn man mal tiefer bohrt, so ist das eigentlich deutsche Problem der Mangel an Autoren. Ich glaube, wir haben sowohl die Regisseure als auch die Schauspieler, um zu „delivern“. Wir haben nur nicht die Stoffe, die Bücher. Die jungen Drehbuchautoren von unseren Filmhochschulen wollen meistens Mega-Arthouse machen, kompliziert konstruiertes Autorenfilmchen – Selbstfindungs – Problemdrama und eben nicht intelligente, spannende, geile Entertainment. Denn das ist es, was all die erfolgreichen Serienformate auszeichnet: sie sind Entertainment. Immer noch ein fehlbesetzter Begriff hierzulande.

        0
      • krakos

        Remake = Erfolg?
        Wenn bei uns ein Remake gezeigt wird, wird sofort rumgeheult.

        0
    • Zuletzt? Gomorrah aus Italien. ( http://netz-tv.blogspot.de/2014/08/und-es-geht-doch-gomorrah-europa-kann.html ) Falls es um den US-Markt geht sind allerdings die nicht-englischsprachigen Serien aus den USA wichtiger. „Rosa Diamante“ zum Beispiel. Das ist eine spanischsprachige Telenovela, die sich die nicht-Hispanics mit Untertiteln reinziehen. Asiatische Zeichentrickserien wie Sand am Meer. Und jede Menge anderes.

      0
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  • Ich bin völlig geflasht von diesem Artikel und freue mich, dieses Forum gefunden zu haben. Ich kann aus meiner Erfahrung alles bestätigen, was Mark Wachholz schreibt und fühle mich dadurch zugleich ermutigt und extrem motiviert. Ich will hier keine Werbung machen. Nur soviel: Ich habe gerade das zweite Serienkonzept fertiggestellt, und das habe ich gleich auf Englisch geschrieben. Wie kann ich mich revanchieren? Vielleicht kennt ja der eine oder andere von euch diese beiden spannenden, wichtigen und guten Texte noch nicht:

    1. „Die ausbleibende Revolution“ von DJ Frederiksson, ein 32 Seiten langer Essay, der in vielen Punkten des obigen Artikels in die Tiefe geht: http://d-trick.de/wp-content/uploads/die_ausbleibende_revolution.pdf

    2. „Quality-TV. Eine kurze Einführung in die Geschichte und Ästhetik neuer amerikanischer Fernsehserien“, ein ebenfalls über 30 Seiten langer Artikel von Robert Blanchet: http://www.zora.uzh.ch/52468/1/blanchet-quality-tv-2011.pdf

    0
  • Robert Frunzke

    Das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen verhindert einen freien Markt, der gerade bei solchen innovativen und sogleich riskanten Produkten wie „Filme“ oder „Fernseh-Serien“ notwendig wäre. Und bevor ich hier als turbo-liberale Heuschrecke reaktiv und instantan vernichtet werde: bitte, liebe Mitmenschen, vertraut doch nicht immer blind auf die nächstbeste Obrigkeit, die Euch aktuell so übersozial supi-dupi-nett zu regulieren verspricht… bitte sacken lassen, kurz nachdenken.

    Pause.

    Zurück zum Thema: das ÖR wurde hier installiert, um zu verhindern, dass hier Irgendjemand mal eine Meinungsobrigkeit und eine Kontrolle darüber erlangen könnte (aus nicht-deutscher Sicht mit sehr, sehr guten Gründen, und mit allerbesten Absichten initiiert).

    Soweit auch ok. Aber, es wird doch Zeit für eine Änderung. Das ÖR hat heutzutage nicht mehr allzuviel Bedeutung, aber trotzdem hat es immer und jederzeit allzuviel Kapital durch staatliche Regularien eingenommen, und das hemmt den Markt hierzulande.

    Die Initiatoren der ÖR sind schon lange fort, und haben keine Kontrolle mehr. Aber die „Selbstkontrolle“ der ÖR hat übernommen, und will auf Teufel komm‘ raus nicht loslassen.

    Praktisch: jeder Produzent, Kameramann, Geschichtenschreiber, Maskenbildner und all die Anderen, alle tendieren dazu, für die ÖR zu arbeiten, weil das sicher ist.

    DAS vernichtet Innovation, im ganz großen Stil.

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  • thealexgodaband

    Wann merken die deutschen Autoren endlich, dass sie weniger US-Serien schauen, und weniger JJ Abrams, David Simon oder Vince Gilligan zu sein versuchen sollten, als sich endlich Schiller, Goethe, Grimm oder dem Nibelungen Lied zuzuwenden?

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    • Na das wäre doch mal was. Das Nibelungenlied als deutsches „Game of Thrones“ in 36 Teilen. ARD,ZDF, bitte übernehmen sie. 🙂

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    • citizentm

      Die Verfilzung der Sender, Gremien, Politik ist viel zu festgezimmert für so was, es sei denn es wird von denselben Nasen gemacht, die es schon in dt. nicht hinkriegen.

      Ein irrer historischer deutscher Stoff, von einem US Histroiker gefunden und aufbereitet, komplett deutsche Geschichte, wurde bei Nordmedia abgelehnt zur Drehbuchförderung (!!!) weil die Einreichenden, trotz internationaler Erfolge und Ausbildung in den USA, keine lokale Lobby hatten. So läuft das noch eine ganze Weile weiter. Leute, die woanders ne Friseurlehre machen würden sind in D TV Redakteure.

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  • René Gäbler

    Netflix bringt den deutschen fernsehmarkt etwas in Schwung. Ich selbst habe den Dienst schon seitz kurzem abboniert und ein paar Serien gesehen. es ist bequem und günstig. Im deutschen Fernsehen ist selten etwas kreatives und spannendes zu finden. So kommt mir Netflix gerade recht.
    Aber: Die extremen Auswirkungen auf Videotheken und andere Anbieter sehe ich zunächst nicht. Wer weiss schon von Netflix? Es stürzen sich nicht gleich Millionen Nutzer auf den neuen Dienst. Deutsche Bequemlichkeit und wenig Infos sind hier ein Grund.
    Dioe coolen serien verschwinden tatsächlich im deutschen TV-Angebot. Sopranos war im Free-TV ein Flop. Ray Donovan geht um 0.30 Uhr im ZDF-Programm unter. Aufnehmen braucht man es nicht. Oft stimmen die Sendezeiten bei ARD und ZDF nicht. Viele andere Serien gibt es gar nicht im Free-TV. Das ist schade. Wer mehr will, nutzt Pay TV oder VoD-Dienste.
    Bei den Produktionen traut sich Sky, was Neflix vielleicht mal machen möchte. Kreative, spannende und qualitativ hochwertige Serien fehlen bei uns. Das Publikum ist da. Leider sind die Strukturen der Filmbranche fest gefahren. Man traut sich wenig. Degeto wirbt im VDD-Podcast mit neuen und jungen Ideen. Til Schweiger tut es dann aber auch. Würde die Filmförderung ein deutsches Walking Dead finanzieren? Wohl kaum.
    Natürlich haben wir Autoren, die das auch können. Bei ca. 1.000 Drehbuchautoren sind auch kreative Drehbuchautoren dabei, die sich neues trauen. Doch wer soll da was machen, wenn keine Produktionsfirma und kein Sender Interesse daran hat. Also gucken wir weiter Ami-Serien. Und die sind durchaus gut. Die Qualität ist deutlich gestiegen.
    Es ist leichter Lizenzen zu kaufen. und Netflix möchte vielleicht die Autoren aus dem eigenen Land haben. Oder? Aber auf der anderen seite frage ich mich, warum andere europäische Länder kreative Projekte umsetzen können. ich denke da an Misfits und The Returned (der französische Titel geht mir schwer vom Stift 🙂 ).

    0
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  • Wow! Sehr fundierter, ausführlicher und treffender Artikel!

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  • Also, ,,Annedroids“ ist jetzt auf Lateinamerika jede Wochenende am Tag, in einer Discovery-Sender. Und ich sehe jeder Tag das ,,PBS-NewsHour“ aus Washington und New York. Auf http://www.ustream.tv/pbsnewshour oder newshour.pbs.org mit das letzte Nachrichten. Präsentiert von Judy Woodruff und Gwen Ifill (wöchentlich) und Hari Sreenivasan (Wochenende).
    #PBSNEWS

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